Die Suche nach dem All-PIRATEN-Kandidat

Am letzten Freitag hat die Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus einen weiteren schweren Schlag hinnehmen müssen, der sie von der inhaltlichen politischen Arbeit abhält.

Mitten in die äußerst wichtigen – und für uns Parlamentsneulinge extrem komplizierten - Haushaltsberatungen zum Berliner Doppelhaushalt 2012/2013 platzt der Rücktritt des Bundespräsidenten. Damit haben wir als Fraktion die Möglichkeit zwei Personen in die Bundesversammlung zu entsenden um (wahrscheinlich) am 18. März einen neuen Präsidenten wählen zu lassen und uns trefflich von der Arbeit ablenken zu lassen.

Als (noch) einzige Fraktion in einem Länderparlament der Piratenpartei, die eigentlich die Interessen der Berlinerinnen und Berliner vertreten soll, sehen wir uns nun der Aufgabe gegenüber faktisch Entscheidungen stellvertretend für unsere gesamte Partei zu treffen. Obwohl am Ende die Entscheidung von unseren beiden Wahlleuten getroffen, begründet und verantwortet werden muss, wird nun aller Orts nach einem Parteikandidaten gefragt.

Es ist üblich, dass Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten von Fraktionen für ihre Parteien nominiert werden. Der Begriff des „Allparteienkandidaten“ geistert ja schon seit ein paar Tagen durch die Medien. Doch ist das so gedacht? Haben nicht die möglichst unabhängigen maximal 1240 Wahlleute die Aufgabe frei Kandidaten vorzuschlagen, zu diskutieren und am Ende zu wählen? Wird durch den Wunschkandidaten von SPD, Grüne, CDU und FDP, Gauck, nicht dieser Mechanismus zur Makulatur?

Es entsteht jedenfalls der Eindruck, dass es zuerst der Unterstützung des eigenen Parteiproporzes bedarf, damit ein Kandidat nominierbar oder gar wählbar wird.

Ich bin der Überzeugung, dass mensch sich die Frage stellen darf ob nicht genau diese „bewährte“ Praxis, einen vorab „mehrheitsfähigen“ (alternativlosen) Kandidaten zu bestimmen, der Grund ist, warum Horst Köhler und Christian Wulff scheiterten, ja scheitern mussten.

Aufgrund der Diskussion der letzten Tage bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir hier einen falsche Weg beschreiten und uns ein wenig zu Ordnung rufen sollten. Ich bin der Überzeugung, dass die Präsentation eines Kandidaten der Piratenpartei, des Berliner Landesverbandes der Piraten oder auch nur der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus der falsche Weg ist.

Ich bin überzeugt davon, dass die Piraten in der Lage sind vernünftige Vorschläge zu machen, diese zu Begründen und auch öffentlich zu machen. Vorschläge an denen sich alle Wahlleute orientieren können. Egal von welcher Partei sie sind. Ich stelle mir ernsthaft die Frage warum nur von den Piratenwahlleuten erwartet wird den Piratenempfehlungen zu folgen. Eine Empfehlung einer Partei, eines Gremiums oder einer Einzelperson zur Wahl des Bundespräsidenten kann und sollte an die gesamte Bundesversammlung gerichtet sein.

Und es geschieht längst. Die Piraten diskutieren und debattieren geeignete Kandidaten öffentlich und lassen sich auch nicht von der Verwirrung einiger Amts- und Mandatsträger oder der Presse beirren. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Georg Schramm, Hans-Jürgen Papier oder ein gewisser Zoidberg. Ich finde es bereichernd wenn außerhalb der Hauptstadtpresse oder der Rundfunkanstalten ein – oder besser noch mehrere – Vorschlag erörtert wird, der sonst nicht auf das öffentliche Tableau gehoben worden wäre. Es muss für jedes Mitglied in der Bundesversammlung doch ein Segen sein, eine so offene Meinungsbildung mit verfolgen zu können.

Auch für uns sind die eigenen Wahlleute das Entscheidende. Am Ende müssen sie begründen warum die eine und der andere nicht nominiert wurden oder wie man sich zu den anderen Kandidaten verhält. Sie werden die Verantwortung haben für alle Piraten zu sprechen wenn eine Kamera oder ein Mikrophon auf sie gerichtet ist. Dabei interessiert nicht, ob sie formal als Vertreter der politischen Landschaft Berlins in der Bundesversammlung sind.

Ganz besonders bei der Frage ob Joachim Gauck zustimmungsfähig ist, wird interessant sein wie die Begründung der Antwort ausfällt. Natürlich kann ich mir schwer vorstellen, dass Piraten oder Sympathisanten einen Bundespräsidenten wollen, der Vorratsdatenspeicherung für eine tolle Sache und Whistleblowing für Datendiebstahl hält. Natürlich erwarte ich, dass dies auch für unsere Wahlleute gilt. Umso wichtiger halte ich inzwischen die Suche nach einer Alternative oder mehr als einer. Jedes Mitglied kann jemanden vorschlagen – die Piratenvertreter insgesamt also zwei.

Es ist eine lohnende Überlegung mit mehr als nur einem Alternativkandidaten die öffentliche Wahrnehmung für Alternativen zu einem vermeintlichen Allparteienkandidaten zu vergrößern. Es gibt viele geeignete Menschen, die mit ihrer Person und ihren Vorstellungen einen vernünftigen und ebenfalls Mehrheitsfähigen Kontrast zu Joachim Gauck herstellen könnten. Einen Kontrast, der deutlicher und nachvollziehbarer sein kann als zwischen Gauck und Wulff. Wir haben die Chance einmal mehr zu beweisen, dass es “Alternativloses” nur unter Zwang geben kann.

Das Berliner Abgeordnetenhaus wird in den nächsten Wochen ( Ich tippe auf den 8.3. ) die Liste der Mitglieder der Bundesversammlung wählen. Dann wissen wir endgültig welche Zwei Menschen unsere Empfehlungen am ehesten ernst nehmen werden. Ich wünsche mir fast schon, dass es nicht mehr nötig sein wird, da gute Vorschläge sich bis dahin auch gegen einen Allparteienkandidaten durchsetzen konnten.

Zensur von PISA-Daten – Martin Delius: Forscher müssen Ergebnisse veröffentlichen können

Laut Medienberichten verweigert die Kultusministerkonferenz dem niederländischen Forscher Jaap Dronkers, in seiner Studie deutsche PISA­-Daten  zu veröffentlichen. Die Studie befasste sich unter anderem mit dem Vergleich niederländischer und flämischer Schüler mit deutschen Schülern ohne Migrationshintergrund. Dazu sagt Martin Delius, bildungspolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus:

“Die Entscheidung der Kultusminister weckt Zweifel, wie groß die Motivation, die derzeitige Bildungsmisere anzugehen, wirklich ist. Eine sachliche, an Lösungen orientierte Debatte sieht anders aus. Seit Jahren arbeiten engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Konzepten für eine zukunftsfähige Bildungslandschaft im Informationszeitalter. Wir kommen der Lösung der Probleme nicht näher, indem wir Forscher daran hindern ihre Ergebnisse zu veröffentlichen. Die Entscheidung der Kultusminister nährt den Verdacht, dass hier versucht wird, politisch nicht opportune Aussagen einer Studie unter den Tisch zu kehren. Es wird höchste Zeit, dass Berlin in der Kultusministerkonfernz klar Stellung bezieht. Frau Senatorin Scheeres muss sich auch im Sinne der Berliner Schülerinnen und Schüler die ungeschönte und freie Veröffentlichung aller PISA­Daten und Forschungsergebnisse einsetzen.”

Hintergrund:

Bericht der Süddeutschen Zeitung zum Thema: “Forscher erzürnt Zensur von Pisa­Daten”

http://www.sueddeutsche.de/karriere/kultusminister­in­der­kritik­forscher­erzuernt­zensur­von­pisa­ daten­1.1270297

Wulff Q&A jetzt auch durchsuchbar

Wie wir alle auf SpOn lesen durften, hat Bundespräsident Wulff an ihn gestellte Fragen und die Antworten veröffentlichen lassen.

Da mich die Qualität dieser Veröffentlichung als 240 Seiten langes nicht durchsuchbares .pdf gestört hat, habe ich eben schnell ein so genanntes OCR Programm zu Texterkennung darüber laufen lassen. Die drei Daten sind jetzt hier abrufbar:

Ich bitte die schlechte OCR-Qualität zu entschuldigen. Alles kann ein Computerprogramm auch nicht rekonstruieren.

viel Spaß damit.

“Macht doch mal!”

An die Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin gibt es dieser Tage verständlicher Weise eine Menge Erwartungen. So wurden wir dafür kritisiert, dass wir zu den Vorfällen bzgl. der weltweiten #occupy-Kampagne keine Presseerklärung oder Pressekonferenz einberufen haben.

Ich möchte an dieser Stelle auch dem Wunsch des Bundesverbandes nach einer Vorlage nachkommen und ein Beispiel für eine Erklärung, wie ich sie mir vorstelle, geben.

Eine Pressemitteilung zu den weltweiten Demonstrationen auch in Deutschland könnte in etwa so lauten:

Titel:

#occupyeverything – Presseerklärung der Piratenpartei

 

Text:

Zur Zeit entstehen weltweit Protestbewegungen nach dem Vorbild von #occupywallstreet. Auch in Deutschland protestierten tausende Menschen zum Beispiel in Berlin und Frankfurt am Main am Wochenende gegen die Dominanz wirtschaftlicher Interessen und Zielvorgaben und der Finanzmärkte in der aktuellen Politik. Dazu äußert sich Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der zukünftigen Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin:

 

„Wir erleben immer öfter wie wirtschaftliche Denkweisen und Kriterien die Interessen der deutschen Öffentlichkeit in der Politik verdrängen. Zum Beispiel in der Frage des flächendeckenden Ausbaus von Breitbandinternet behindert der Glaube an die Investitionen des freien Marktes den gezielten Netzausbau in vielen ländlichen Gegenden aus öffentlichen Mitteln. Die freie Veröffentlichung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und die Grundlagenforschung an deutschen Universitäten wird durch eine immer stärkere Ausrichtung aus privatwirtschaftliche Finanzierung faktisch unmöglich gemacht. Selbst die Dringend notwendige Information der Öffentlichkeit über die Verträge und Verhandlungen im Bereich der so genannten Public-Private-Partnership wird durch Informationsfreiheitsgesetze behindert, die den Schutz der Geschäftsgeheimnisse mit dem Schutz personenbezogener Daten gleichsetzen. In diesem Sinne ist das Anliegen der Demonstranten politische Handlungsoptionen wieder stärker von Interessen der Wirtschaftlichkeit zu entkoppeln zu unterstützen. Demonstrationen und Proteste gehören zur demokratischen Kultur in diesem Land und werden von uns gefördert solange sie keine verfassungsfeindlichen Inhalte vertreten.“

 

Natürlich ist auch dies nicht perfekt, wäre aber mein Ansatz gewesen. Der Text darf im Übrigen weiterverwendet werden.

In diesem Sinne wünsche ich mir auch, dass die Menschen, die hinter der #occupy-Bewegung stehen ihre friedlichen überparteilichen Aktivitäten weiter ausbauen und verstätigen.

Um die Kritik aufzugreifen: Ich unterstütze auch innerhalb unserer zukünftigen Fraktion die Anliegen von Protestbewegungen im Sinne unserer Programmpunkte. Dazu müssen in erster Linie die Fraktion und die einzelnen Mandatsträger arbeitsfähig werden. Daran arbeite nicht nur ich gerade.

Aktuelles vom Wahlkampf

Es gibt Neuigkeiten über den Berliner Wahlkampf.

Das Programm zum lesen, hören und begeistern.

Unser Programm wird auf unserem Blog über iTunes und einen public Feed auch als Audioversion verbreitet.

Online Kandidaten sind online

Die Direktkandidaten haben inzwischen Profile bei abgeordnetenwatch.de und mehr-demokratie.de. Ihr könnt über die Suchen auf den Seiten auch die anderen Kandidaten der Piraten finden.

Politik mit Gesicht

Auch auf dem Berliner Piratenblog finden sich nun nach und nach die Berliner Kandidaten und Vorstände ein.

 

 

PM: Bundesverfassungsgericht straft BaFöG Praxis ab!

Zur aktuellen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes zur gängigen Praxis des Teilerlass von Förderungen für Studierende meint Martin Delius (Kandidat zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin):

“Ich freue mich über die heutige Entscheidung. Das BaFöG ist in den letzten Jahrzehnten durch immer neue Einschränkungen zu einem seelenlosen Schatten seiner eigentlichen Funktion verkommen. Heute hat sich einmal mehr bestätigt, dass sich die ständige Einschränkung dieser sinnvollen Förderung von Studierenden immer mehr zu einer frechen Ungerechtigkeit entwickelt hat. Nicht nur die Medizinstudierenden in Berlin haben mit der aktuellen Regelung zu Förderungshöhe und Förderungsdauer sowie dem Antragsverfahren zu kämpfen. Die heutige Entscheidung bestätigt einmal mehr, dass die PIRATEN in Berlin mit der klaren Absage an die Regelstudienzeit einen Schritt in die richtige Richtung getan haben um Ungerechtigkeit und der fortgesetzten Stigmatisierung von Studierenden entgegenzuwirken. Ohne eine Regelstudienzeit wäre kein zusätzlicher Zwang für die Studentenwerke entstanden, den maximalen Förderungszeitraum weiter zu verringern. Die Förderungsdauer von Studierenden im Rahmen des BaFöG muss unabhängig von einer willkürlich festgelegten Studiumsdauer bemessen werden um Chancengleichheit und größtmögliche Freiheit für Studierende, Lehrende und die Verwaltung zu schaffen.”

Die Piratenpartei zur Transparenz in der Politik

Zu meiner Schande muss ich eingestehen, zu wenige Texte auf diesem Blog zu veröffentlichen, um ein vollständiges Bild von mir und meinen Argumenten abzugeben. Umso weniger ist es für meine Leser wünschenswert wieder einmal Ausführungen über innerparteiliche Diskussionen der Piratenpartei zu lesen. Aus aktuellem Anlass jedoch möchte ich gerade den Berliner Wählerinnen und Wählern ein paar Gedanken zu einem Grundbegriff politischen Handelns nicht vorenthalten.

Der aktuelle Anlass besteht in einer Stellungnahme des Bundesvorstandes der Piratenpartei, die am Donnerstag, den 07. Juli 2011 veröffentlicht wurde und mit einer Auswahl von Definitionen zur Rechtfertigung des eigenen politischen Vorgehens einhergeht.

Eingehen will ich auf die Definition zur Transparenz in genanntem Blogbeitrag. (weiterlesen …)

Demonstration gegen das neue Hochschulgesetz

Einen Tag vor der Demonstration gegen die Novelle des Berliner Hochschulgesetzes

am 12. Mai 2011
um 16.00 Uhr
auf dem Pariser Platz (Brandenburger Tor)

möchte ich den Aufruf mit meinen Lesern und Berliner Studierenden teilen.

Am diesem Tag wird die Neufassung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) im Abgeordnetenhaus voraussichtlich beschlossen werden. Im Vorfeld haben sich Studierende, Mitarbeiter und Professoren immer wieder wieder in Kritik geübt. Es wurde mehr oder weniger öffentlich Druck gemacht, den Antrag an das Abgeordnetenhaus zu ändern, korrigieren und einfach mitreden zu können. SPD und Linke blieben weitgehend stur und brachten Änderungen ohne eine strukturelle Verbesserung des Vorschlags ein. (weiterlesen …)

Lobbyregister – Während herkömmliche Parteien noch diskutieren…

Mit Verwunderung betrachte ich die aktuelle Diskussion im deutschen Bundestag zum Thema eines Lobbyregisters. Während sich nähmlich die herkömmlichen Parteipoliker noch darüber streiten wer wann welche guten Ideen nicht umsetzen wollte, will oder kann, sind die PIRATEN mal wieder einen Schritt weiter. Wir haben längst basisdemokratisch Abgestimmt und uns entschieden, dass wir ein Register führen wollen. Wir haben uns verpflichtet und halten uns an unsere Ansprüche.